Blue Mountains off the track

18 06 2009

Am letzten Tag vor der Abreise zurück nach Brisbane haben wir uns dann doch daz entschieden nicht Sydney weiter zu erkunden, was bestimmt auch noch ein paar weitere Tage ohne auch nur den Hauch von Langeweile möglich gewesen wäre, sondern unsere nicht vorhandenen Wanderschuhe in die westlich gelegenen Blue Mountains zu führen. Für günstige 50$ p.P. kann man ein Tagesticket kaufen, dass einen mit dem Zug in die Blue Mountains bringt und dort vor Ort dann die Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel ermöglicht. Tja… günstig ist anders, wenn man, wie wir, Wanderschuhe hat. Also ging’s mit einem normalen Return-Ticket für diesmal wirklich günstige 17$ auf nach  Katoomba, einer kleinen Stadt mitten in den Blue Mountains, die wie Airlie Beach für die Whitsunday’s oder Hervey Bay für Fraser Island, als Ausgangspunkt für fast alle Besucher her halten muss.

Da der Tag ja gut genutzt werden wollte, ging es noch vor 8 Uhr vom Hostel aus los um den Zug gegen halb 9 nach Katoomba zu nehmen. Im nachhinein sollte man sich vielleicht doch sogar noch eine Stunde früher auf die Beine machen um genug Zeit für alles zu haben.

Die Fahrt mit dem Zug dauerte knapp 2 Stunden. Katoomba ist, wie erwartet, ein kleines verschlafenes Nest, dessen Bahnhof einfach nur als Ausgangspunkt genutzt wird. Es kann aber auch sein, dass mein Blickwinkel da durch meine lebenslange Berlin-Erfahrung etwas eingeschränkt ist, denn Katoomba ist auch die größte Stadt in den Blue Mountains.

Da wir uns gegen die lokalen Verkehrsmittel und für die gute, alte Art der Fortbewegung, nämlich Wandern, entschieden haben, ging es auch gleich los zur Station der „Scenic World“, einer Art „Bergstation“ mit 3 verschiedenen Attraktionen. Begonnen haben wir mit dem Scenic Railway, einer der steilsten Bergbahnen die es wohl geben soll. Da die Strecke nur 450m lang ist dauert die Fahrt auch nur ca. 2-3 Minuten. Manchmal musste man schon etwas Angst haben und hat sich gefühlt, als würde man jeden Augenblick nach vorne aus dem Zug fallen.

Scenic Railway

Scenic Railway

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Scenic Railway

Unten angekommen gab es dann die Wahl zwischen dem „Scenic Walkway“ (ja, da war alles Scenic und dufte und was nicht noch alles) und einem kleinen Trampelpfad. Da unsere Schuhe sich auch endlich offiziell Wanderschuhe nennen wollten, haben sie uns natürlich auf dem Trampelpfad gelotst. Der Walkway ist eine Art Steg, der einen durch den dichten Wald der Blue Mountains führt und ab und an mit kleinen Info-Tafeln noch ein bisschen die Umgebung erklärt. Also was für Stubenhocker… 🙂

Der Trampelpfad war auf einer kleinen Karte sogar offiziell als Wanderweg angegeben, auch wenn nur ein kleines Stück vom Anfang und Ende eingezeichnet war. Wer sich noch nicht ganz sicher war, ob er sich eher zu den Stubenhockern zählen sollte oder nicht, wurde gleich nach 200m auf die Probe gestellt. Umgefallene Bäume werden hier nicht weggeräumt. Wenn die Betreiber (oder wer auch immer) Lust haben, dann wird vielleicht ne kleine Kerbe in den Stamm gesägt, die dann als Trittbrett wenigstens für etwas Halt sorgen soll.

off the track

off the track

Da wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, was uns auf dem restlichen „offiziellen Wanderweg“ noch erwartet und der ein oder andere Baum oder Felsbrocken auf dem Weg mich noch nicht aus der Ruhe gebracht haben, wurde ich dann doch etwas ungeduldig und musste unbedingt abseits des Weges einen kleinen Steilhang hochklettern. So und so ragen in den Blue Mountains die meisten Berge im 90° Winkel gen Himmel. Normale Anstiege sind hier eher selten zu finden. Da ich nun mal eine Felswand gefunden hatten, die wenigstens von ein bisschen Geröll und Erde umgeben war, so dass das Hochklettern überhaupt möglich war, musste ich dort wie gesagt, sofort hoch. Belohnt wurde man mit einer herrlichen Aussicht… oder Dank 50m Sichtweite wegen Nebel/Wolken auch nicht. Es war trotzdem extrem eindrucksvoll am Rand eines dieser Felsen zu stehen und auf unseren Trampelpfad ca. 40m unter uns zu schauen. Nach diesem kleinen Ausflug ging es zurück auf den Trampelpfad und nach spätestens 1km dreht wahrscheinlich jeder um, der sich auch nur tendenziell minimal zum Stubenhocker hingezogen fühlt. Der Weg wurde von kleinen Eisenstangen, die farbig markiert waren, markiert und manchmal musste man diese Stangen schon mal für 2 Minuten suchen, obwohl sie manchmal sogar alle 20-30m von einander entfernt standen. Ab und an hat man diese Markierungen auch schnell gefunden, dann aber seine 2 Minuten damit verbracht, zu überlegen, ob das jetzt wirklich die nächste Markierung ist und die Parkverwaltung das wirklich ernst meint. Klettern, springen, durch kleine Lücken zwischen zwei Felswänden gehen… alles war dabei.

Blue Mountains

Blue Mountains

Belohnt wurde man mit den wahrscheinlich besten Ausblicken und einer Atemberaubenden Landschaft, die vom „Scenic Walkway“ nicht mal zu erahnen ist. Die Landschaft wechselte mehrmals und meistens komplett innerhalb von wenigen Metern. So bin ich im dichten Blätter-Wald im Stil von Mittel- Südeuropa gestartet, durch eine zerklüftete Felslandschaft gekommen um dann fast in einer Art Regenwald zu stehen und direkt wieder zurück zum europäischen Wald zu kommen.

Leider haben wir auf Grund der abenteuerlichen Streckenführung nicht die ganze Strecke geschafft und mussten nach der Hälfte umkehren um nicht zu riskieren die Nacht in den Blue Mountains zu verbringen. Also ging es fix den „Wanderweg“ wieder zurück, diesmal ohne Abstecher abseits der Strecke und auf dem Walkway dann zum „Scenic Cableway“, einer Seilbahn, die neben dem „Scenic Railway“ wieder hoch zur Station führt und einen Überblick über die Strecke von oben bietet. Danach wurde dann auch gleich von der Station aus die letzte Attraktion mitgenommen, der „Scenic Skyway“, der über eine Schlucht führt und einen herrlichen und atemberaubenden Blick über Teile der Blue Mountains und vor allem auf die Katoomba Falls erlaubt. Wie in Australien schon für BBQ’s üblich sind in den Blue Mountains an fast jedem nur erdenklichen strategisch wichtigen Punkt so genannte „Point Lookout’s“, also Aussichtsplattformen. So auch direkt nach der Seilbahn wo man den Ausblick dann auch etwas länger und in aller Ruhe genießen konnte. Sehr eindrucksvoll waren auch die Wetterbedingungen. Innerhalb von 30 Sekunden wechselte es manchmal zwischen herrlich weiter Sicht und 50m Sichtweite und sehr oft brauchte man auch nur die Hand auszustrecken um mal ein bisschen Wolke durch die Finger hindurchwehen zu lassen.

Wolken auf Tuchfühlung

Wolken auf Tuchfühlung

Da es mittlerweile schon halb 4 war und es in Australien immer ein bisschen früher dunkel wird, musste es nun ganz schnell zu den „Three Sisters“ gehen, die bekannteste Felsformation von 3 in die Höhe ragenden „Felsstangen“ der Blue Mountains. Warum es gerade Schwestern sind und nicht Brüder, konnte ich leider nicht herausfinden. Jedenfalls deutet nichts auf Schwestern hin ☺ Wie so oft steckt auch hinter diesem Namen eine Geschichte, aber das würde  jetzt zu lange dauern ☺ auf Anfrage von viiiiiielen Leuten, kann ich das ja irgendwann mal nachholen.

Wie gesagt… auf zu den „Three Sisters“. Der Weg dahin war, obwohl ordentlich angelegt und nicht nur ein Trampelpfad, wegen Regen und etwas Überflutung auch wieder mal abenteuerlich. Aber was konnte uns nach der ersten Strecke schon noch schocken. In Rekordzeit wurde also diese Strecke gemeistert um dann rechtzeitig noch vor den letzten Sonnenstrahlen den Ausblick zu genießen, Millionen von Fotos zu machen und sogar noch auf einen der 3 Felsen zu gehen. Das war über eine kleine, ziemlich wacklig anmutende Brücke möglich und auf dem Felsen hatte man sogar eine kleine Bank um sich mal etwas auszuruhen.

Three Sisters

Three Sisters

One of the Three Sisters

One of the Three Sisters

Danach wurde es dann auch schon so langsam dunkel und der Rückweg wurde angetreten. Immerhin bedeuten 2 Stunden Hinweg auch, dass es ne Weile dauern könnte, bis man wieder zurück ist. Und natürlich wurde der stündlich fahrende Zug nach Sydney auch um ca. 5 Minuten verpasst. Kein Zuckerschlecken bei knapp unter 10°C in den Bergen. Nach knapp 1h Wartezeit und 2 weiteren im Zug kamen wir dann zwar total erschöpft, aber um atemberaubende Aussichten und Eindrücke reicher wieder in Sydney an. Die Schuhe leben sogar noch 🙂

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